Titanfall

Genre: Multiplayer-FPS Publisher: Electronic Arts
Termin: 13. März 2014 Entwickler: Respawn Entertainment

So fühlt sich Titanfall an

Das Match beginnt. Sechs gegen Sechs. Die Piloten werden mit einem Drop-Ship über der Spielfläche abgeworfen. Alle rennen sprintend, springend in Richtung des gegnerischen Spawn-Punktes. Ein Paar erklimmen mit ihrem Doppelsprung die ersten Häuser der Map. Oder springen direkt in den zweiten Stock eines Hauses durchs Fenster.

Die ersten Gegner denen du begegnest sind die Frontsoldaten. Kanonenfutter. Vom Computer gesteuert. Die Frontsoldaten sind doof. Um von denen erledigt zu werden, muss der Spieler es schon echt drauf anlegen.

Die kleine Gruppe Frontsoldaten ist schnell erledigt. Dank der Smart-Pistol, die Feinde automatisch anvisiert, sind die Soldaten alle gleichzeitig per Kopfschuss beseitigt. Da eine Materialschlacht gespielt wird gibt es hierfür Gewinnpunkte. Aber nur sehr wenige. Piloten bringen mehr. Du siehst außerdem kleine Einblendungen aufblitzen. „-12 Sek.“. Die Zeit bis du deinen Titan rufen kannst sinkt mit jedem Abschuss. Besonders schnell, wenn du Piloten erwischst.

Dein Blick wandert kurz zur Minimap in der linken oberen Ecke. Zwischen vielen kleinen roten Punkten flammt ein großer roter Punkt auf. Ein Pilot in der Nähe hat geschossen. Das ist deine Gelegenheit.

Die Frontsoldaten hast du im laufen erledigt. Ohne Geschwindigkeit zu verlieren sprintest du in Richtung des roten Punktes.

Der feindliche Pilot befindet sich auf der anderen Straßenseite irgendwo. Der Punkt ist wieder verschwunden. Um die andere Straßenseite zu erreichen musst du übers offene Feld. Schnell die Spezialfähigkeit „Tarnung“ aktiviert. Du bist kurzzeitig so gut wie unsichtbar. Um schneller und sicherer über die Straße zu kommen, springst du im Sprint an die rechte Häuserwand und läufst an dieser weiter entlang Richtung Straße. Die Geschwindigkeit nimmt noch einmal zu. Kurz vor dem Ende der Wand springst du im hohen Bogen über die Straße. Um das Fenster im Haus auf der anderen Seite zu erreichen nutzt du deinen Doppelsprung.

Im Haus angekommen siehst du vor dir den eben erspähten Piloten. Und er sieht dich. Deine Smart-Pistol piept und versucht verzweifelt den Piloten anzuvisieren. Doch anders als bei den Frontsoldaten dauert das Erfassen länger. In diesem Fall zu lange. Der feindliche Pilot hüpft durch die Gegend und reißt seinen Karabiner hoch. Eine kurze Salve durchsiebt dich. „Sie sind tot“.

Mist. Die Smart-Pistol bringt es nicht. Also schnell während der Respawn-Zeit ein anderes Loadout wählen. Vorgefertigte Klassen, die du vorher an deine Ansprüche angepasst hast. Deine Primärwaffe ist jetzt die SMG. Eine kleine, fiese Maschinenpistole. Schnell, präzise, tödlich.

Dein Blick fällt noch auf die Burncards. Schnell also „Y“ gedrückt und eine der drei vorhandenen Burncards ausgewählt. „Deine Titan-Bauzeit wird verkürzt“. Perfekt, stehen eh nur noch 2 Minuten auf der Titan-Uhr. Die Burncard gilt jeweils einmalig bis du stirbst. Danach ist sie verbraucht. Du nimmst dir vor, ein Paar Challenges zu erledigen, um deinen Burncard-Stapel wieder aufzufüllen.

Die Respawn-Zeit ist abgelaufen. Du erscheinst wieder auf dem Schlachtfeld. Du sprintest los, erledigst schnell ein paar Frontsoldaten und überrascht einen Piloten. Mit der SMG ist dieser schnell Geschichte. Viel halten Piloten nunmal nicht aus.
Zeitgleich erklingt eine Frauenstimme in deinem Helm: „Dein Titan ist startklar. Sag einfach bescheid.“. Darauf hast du gewartet. Ein kurzer druck auf dem Steuerkreuz nach unten und vor dir auf dem Boden erscheint ein grüner Kreis und ein Countdown. „Okay. Bereitmachen für Titanfall.“. 5 … 4 … 3 … 2 … 1 … Ein intensives Rauschen ist zu vernehmen. Dein Blick wandert nach oben. Dein Titan stürzt mit hoher Geschwindigkeit auf den Boden. Kniet vor dir. Eine Energiekuppel beschützt ihn vor gegnerischem Feuer. Du springst in seine Richtung. „X“ gedrückt halten und schon greift er dich mit seiner Hand und hebt dich in das Cockpit. „Pilotensteuerung aktiviert“, teilt dir der Bordcomputer mit. Jetzt geht es richtig los.

Du drehst dich um und verlässt die Kuppel. Um die Ecke und am Ende der Straße steht dir ein gegnerischer Titan gegenüber. Du schießt was das Zeug hält. Und er auf dich. Mit dem Partikelschild fängst du die gegnerischen Kugeln ab und schickst sie zurück. Alle Anzeigen im Cockpit blinken und piepen. Gefahr. Dein Schild ist ausgeschaltet, ab jetzt geht es an die physische Hülle deines Titans. Doch beim Gegenüber sieht es nicht besser aus. Einige Teile der Hülle sind rot markiert. Diese sind nach dem Zusammenbruch des Schildes besonders verwundbar. Du konzentrierst das Feuer auf diese Stellen. Der Gegner merkt, dass sie Lage aussichtslos ist. Er tritt den Rückzug an. Mit einem schnellen Schub rückwärts versucht er zu entkommen. Doch keine Chance. Über seiner Lebensenergie erscheint „Titan todgeweiht“. Jetzt dauert es nicht lange bis er gänzlich explodiert. Der gegnerische Pilot nutzt die letzte Möglichkeit, noch lebend aus dem Titan zu kommen. Er nutzt den Schleudersitz. Dieser katapultiert ihn hoch in die Luft. Du verfolgst seine Flugbahn hoch oben und hältst etwas vor. Drückst ab. Bumm, Pilot erledigt. In der Luft.

Vor lauter Euphorie und vor lauter Anzeigen auf dem Bildschirm hast du die tobende Schlacht um dich herum fast übersehen. Überall kämpfen Piloten gegeneinander, gegen Frontsoldaten, Spectres und Titans. Neben dir springt ein Pilot auf einen Titan und beginnt ihn im Rodeo-Stil auszuschalten. Sehr effektiv.

Um das Schild wieder auszuladen steuerst du deinen Titan etwas aus der heißen Zone. Das Schild lädt sich wieder auf, doch die Energie des Titans ist bedrohlich weit unten. Einen Piloten mit Anti-Titanwaffe oder ein gegnerischer Titan hätte ein leichtes Spiel.
Du steigst lieber aus. Die KI übernimmt den Titan und läuft dir von nun an hinterher. Du rennst schnell in ein Gebäude. Bumm, Pilot erledigt. Dein Auto-Titan macht gute Arbeit. Auf dem Radar blitzen Piloten auf. Du rennst die Treppe rauf, siehst einen am Fenster stehen. Die Ideale Gelegenheit ihn mit einem Genickbruch zu erledigen.

Über dir stirbt ein Mitspieler, also schnell per Doppelsprung ins zweite Stockwerk. Sprinten, schießen, zwei Piloten erledigt. Draußen explodiert der Auto-Titan.
„Besiegt“ erscheint auf dem Bildschirm, „Bereitmachen für die Evakuierung“. Dein Team hat verloren.

Jetzt beginnt der Epilog. In 60 Sekunden kommt ein Drop-Ship, um euch abzuholen. Jetzt heißt es überleben und das Schiff rechtzeitig erreichen. Wenn du jetzt stirbst gibt es kein Respawn.

Mit Doppelsprüngen, sprinten und Wandläufen navigierst du durch die Stadt. Die Evakuierungszone ist hoch oben auf einem Hausdach. Das Gegner-Team setzt alles daran, die letzten Piloten zu erledigen.

Das Schiff ist da! In zehn Sekunden hebt es ab, egal ob du an Bord bist oder nicht. Du kletterst die Hauswand hoch. Oben angekommen landet die Rettung vor dir. Mit einem großen Sprung erreichst du die Sicherheit des Schiffes. Unten versuchen die gegnerischen Titans das Rettungsschiff abzuschießen. Doch zu spät. Es hebt ab und flieht mit Überlichtgeschwindigkeit.

Das Match ist beendet. Du atmest durch. All die Eindrücke müssen verarbeitet werden. Doch in 80 Sekunden startet die nächste Runde. Dann beginnt es von vorne. Du lächelst vor aufgeregter Vorfreude.

Die Kampagne und die Geschichte

Mit dem Kampagnen-Modus liefern die Entwickler eine kleine Entschuldigung für die nicht vorhandenen Einzelspieler-Kampagne. Doch dies gelingt ihnen nicht so gut, wie es hätte sein können. Die Geschichte um das böse Imperium und die Rebellen wird in Hörspielform während normaler Matches eingespielt. Beim ersten Durchgang ist es nicht möglich, alles sofort zu verstehen. Will man die eigentlich Geschichte komplett kapieren sollte man sich in eine Ecke stellen und zuhören oder die Kampagne mehrmals durchspielen. In die Story eingreifen können die Spieler nicht direkt, sie sind wirklich nur kleine Piloten auf einem großen Schlachtfeld, die die Auseinandersetzungen ihrer Kommandanten nur am Rande mitbekommen. Je nachdem welche Seite gewinnt passieren unterschiedliche Script-Events. Aber es geht trotzdem immer in das nächste Szenario weiter. Einen echten Nachteil hat das Verlieren einer Runde nicht.

Natürlich hätte das Ganze etwas spannender gestaltet werden können, aber letztendlich werden halt normale Matches gespielt, zu denen noch etwas Atmosphäre mitgeliefert wird.

Mir persönlich hat es gut gefallen. Die Kampagne gibt den Matches eine tolle Hintergrundgeschichte und erklärt ein wenig, warum es überhaupt die Auseinandersetzungen zwischen den Parteien des Megakonzerns IMC und den Rebellen, der Miliz, gibt.

Mit Titanfall wurde ein sehr interessantes Universum geschaffen. Die Menschheit hat es geschafft, die Raumkrümmung für Raumschiffe nutzbar zu machen. Zukünftig ist Entfernung im Weltall keine Hürde mehr. Schnell werden im so genannten Grenzland neue bewohnbare Planeten entdeckt und ausgebeutet. Gegen die immer größer werdende Macht der IMC formiert sich nach und nach eine Allianz von Milizsoldaten, die die Titan-Technologie kapern und damit beginnen eigene Titans herzustellen. Eine Schlacht zwischen den Milizführern und dem Chef der IMC, Vice Admiral Graves, entbrennt. Die Miliz ist fast geschlagen, bis der ehemaliger IMC-Kommandant MacAllan die Seite wechselt, um fortan die Miliz mit Taktiken und Strategien zu unterstützen. Und er hat noch eine Rechnung mit Vice Admiral Graves offen.

Der Umfang und die Balance

Die 15 Karten bieten alles, was von einem Multiplayer-Shooter zu erwarten ist. Schnee, Karibik, Dschungel, Wüste, Militärbasis, etc. Die Karten sind alle toll gestaltet und lassen sich sowohl als Pilot und als Titan wunderbar bespielen.

Die Spielmodi erfinden nichts neu. Bis auf Last Titan Standing (jeder Spieler startet im Titan, hat nur ein „Leben“ und das Team mit dem letzten stehenden Titan gewinnt) gibt es nichts revolutionäres. Team Deathmatch (Materialschlacht), Capture The Flag, Hardpoint Domination und Pilotenjäger. Besonders ist nur, dass in Materialschlacht nicht nur Abschüsse von Piloten, sondern auch das Erledigen von Frontsoldaten und Spectres und das Zerstören von Titans zum Punktestand hinzuzählen.

Lediglich bei Pilotenjäger zählt nur das Erledigen von Piloten. In jedem Spielmodi verkürzen Treffer von Gegnern die Bauzeit, bis der Titan gerufen werden kann. Spätestens nach drei Minuten kann aber auch der schlechteste Spieler diesen anfordern.

Viel Spass habe ich auch an den Burncards gefunden. Diese werden nach und nach durch das Erledigen von Challenges verteilt. So wäschst der Pool bis zu 25 Karten an. Pro Match können drei Karten eingepackt werden. Diese gewähren die unterschiedlichsten Boni. Eine stärkere Waffe, eine andere Spezialfähigkeit, mehr Erfahrungspunkte, es ist von allem etwas dabei. Eine Burncard lässt sich zu beginn eines Matches und nach jedem Tod einlösen und gilt dann auch nur bis zum nächsten Tod. Durch die Burncards konnte ich des öfteren den Verlauf des Spiels wenden.

Zusammenfassung

  • schnelles Spiel
  • viel los
  • Kontrolle der Spielfigur
  • Umsetzung des Klettern und Springens in First-Person-View
  • Wandlauf
  • auch als Pilot nicht hilflos gegen Titans
  • drei Titans, die sich unterschiedlich spielen
  • Kampagne hätte besser sein können
  • ist nicht für jeden was
  • keine revolutionären Spielmodi

McLustigs Fazit

Titanfall ist schnell. Titanfall ist fordernd. Aber es ist auch ungemein frisch. Natürlich ist es letztendlich ein normaler Multiplayer-Shooter. Wer damit nichts anfangen kann, der wird auch hiermit nichts anfangen können. Daran wird auch der Kampagnen-Modus nichts ändern.

Doch Titanfall macht halt einfach Spass. Gerade das Herumlaufen, Springen, Klettern, Wandlaufen und das Spielgefühl im Titan, ist unglaublich spassig. Ich spiele es mittlerweile gerne mal so zwischendurch. Kurz eine halbe Stunde Pause? Perfekt für ein, zwei Runden Titanfall. Das Matchmaking funktioniert super, die Wartezeit zwischen zwei Runden könnte kürzer sein, doch es ist zu verschmerzen. Dann baut man halt schnell sein Loadout um oder wählt neue Burncards.

Technisch kann ich nicht meckern. Es könnte bestimmt besser aussehen, aber es läuft immer flüssig und bietet viele Details. Wenn ich mal kurz auf einem Hausdach verweilt habe und mir den Hintergrund der Karten angesehen habe, konnte ich die viele Geschehnisse im Hintergrund beobachten. Riesige Tiere stapfen durch die Gegend, Raumschiffe bekämpfen sich oder hunderte Schiffe wuseln durch den Himmel.

Meine Mulitplayer-Karriere endete damals mit Call of Duty: Modern Warfare. Seit dem habe ich so ziemlich das Interesse an Multiplayer-Modi verloren. Doch Titanfall hat diese Leidenschaft wieder entfacht.

Wir sehen uns auf dem Schlachtfeld. Stand by for Titanfall!

(Dieses kleine gif entstand am 11. März, während das Spiel installierte)

6. April 2014 | Autor: McLustig

Kommentare

  1. Vielleicht ja dann beim nächsten Teil ne brauchbare Einzelspieler Kampagne.

  2. Ich hatte ja eigentlich noch so tolle Sachen geplant mit Titanfall und Twitch, aber da hat mir meine miserable Internetleitung ja leider einen Strich durch die Rechnung gemacht 🙁

  3. Ich stehe wahrscheinlich ziemlich alleine da aber für mich ist Titanfall nichts. Es hat in der Beta durchaus für kurze Zeit Spaß gemacht aber mehr auch nicht… Ich brauche einfach einen Singleplayer mit netter Story und Third Person wäre mir auch lieber 🙂

  4. Naja, bei dem ganzen Gehype um Titanfall vor einigen Wochen, hatte man schon das Gefühl 😀

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