Die Marke „Halo“ verbindet der Spieler gemeinhin mit herausragenden First Person Shootern auf Microsoft Konsolen. Bungie hat mit den drei Spielen und mittlerweile sechs Büchern zur Geschichte von Halo ein unglaublich lebendiges und nachvollziehbares Universum geschaffen. Nun erscheint mit „Halo Wars“ das erste Halo Spiel in dem ihr nicht als Master Chief die Aliens der Allianz vertrimmt. Halo Wars ist das Abschiedsgeschenk der Ensemble Studios an ihre Fans und will das Echtzeitstrategie Genre auf der Konsole revolutionieren. Ob die Revolution geglückt ist oder ob Halo Wars nur mit dem bekannten Namen punkten kann erfahr ihr hier im Review auf inside-360.de
A long time ago…
Halo Wars spielt einige Jahre vor der Geschichte des ersten Halo. Seit dem im Buch „Contact Harvest“ beschriebenen Erstkontakt mit der Allianz sind fünf Jahre vergangen – Fünf Jahre in denen die Menschheit einsehen musste das sie der Allianz hoffnungslos unterlegen ist. Das Spiel erzählt die Geschichte des Schiffs „Spirit of Fire“ und seiner Besatzung im Kampf gegen die Allianz und führt den Spieler sowohl an einige aus den Büchern und Spielen bekannte Orte als auch an völlig neue Gebiete. Auch die Flood hat einen Gastauftritt.
Das ein Halo Spiel nicht ohne Spartaner auskommen kann ist klar: Diese haben ihren Auftritt als extrem Starke Einheiten, können in der Story aber nicht „gebaut“ werden sondern stellen Heldeneinheiten dar. Kennern der Bücher werden die Namen und Spezialgebiete der einzelnen Spartaner übrigens sehr bekannt vorkommen. Andere Heldeneinheiten wie der Gebieter oder der Prophet der Wahrheit sind durch die drei Shooter aber sicherlich einem größeren Publikum bekannt.
Sehr geschicktes Product Placement betreibt Microsoft mit en ODST Einheiten. Die Hauptdarsteller des im Herbst erscheinenden Halo 3 Standalone Addons haben mehrere Auftritte in der Kampagne.
Age of Halo
Der Spielablauf ist klassisch im wahrsten Sinne des Wortes: Wer schon mal ein Ensemble Titel gespielt hat (Age of Empires 1,2,3 oder Age of Mythology) wird sich im Spielablauf sofort zurecht finden. Ihr baut eure Basis auf, bildet Einheiten aus und erforscht Verbesserrungen für selbige. Es gibt nur einen Rohstofftyp den ihr in speziellen Basisgebäuden erwirtschaftet oder in Kisten verteilt auf dem Schlachtfeld aufsammelt.
Unendlich Einheiten bauen könnt ihr dank des bekannten Punktesystems nicht, für zünftige Gefechte mit großem Aufgebot reicht es aber allemal. Ihr beginnt das Spiel mit einer Basis in einfacher Form, zuerst müsst ihr den Nachschub der Ressourcen sichern und für Kraftwerke sorgen, diese sind nötig um Erweiterungen zu erforschen. Reicht für einfache Erweiterungen wie ein MG auf dem Warthog noch ein Reaktor müssen es für eine Gaußkanone schon deren drei sein. Da der Bauplatz um die Basis auf maximal sieben Gebäude begrenzt ist müsst ihr euch entscheiden: Entweder spezialisieren oder auf einem der über die Karte verteilten Bauplätze eine zweite Basis errichten.
Habt ihr schließlich genügend Einheiten ausgebildet gilt es den Gegner anzugreifen. Während der Schlacht könnt ihr die Führereigenschaften über ein Kreismenü auswählen – Ob ein Blitzstrahl des Propheten oder einen Schuss aus der MAB Kanone der Spirit of Fire entscheided in der Story das Spiel und im Multiplayer der gewählte Anführer Im Mehrspielermodus muss grundsätzlich die gegnerische Basis vernichtet werden, im Einzelspielermodus ist die Vielfalt an Zielen schon größer: Mal müssen Raumgleiter für die Evakuierung der Zivilbevölkerung beschützt und letzter auf dem Weg zu den Gleitern eskortiert werden, mal muss ein Objekt in die gegnerische Basis auf einem Berg gebracht werden und zwischendurch sogar die Flood auf der Außenhülle der Spirit of Fire bekämpft werden. Langeweile kommt in keiner der 15 Storymissionen auf.
Steuererklärung
Das große Problem bei Strategiespielen auf Konsolen ist die Steuerung: Im Gegensatz zum PC ist man bei einem Gamepad sehr beschränkt was die Anzahl der Tasten angeht. Ensemble hat das beste daraus gemacht: Klickt ihr mit dem A Button auf eine Einheit wird diese ausgewählt, ein Doppelklick wählt alle Einheiten diese Typs, der Linke Bumper wählt alle Einheiten und der rechte Bumper die Einheiten die sich momentan auf dem Bildschirm befinden. Am PC geht es zwar immer noch komfortabler und schneller, auf der Konsole stellt die Steuerung von Halo Wars aber den neuen Standard bei klassischen Steuerungen dar. Auch das Baumenü, das in einem Kreis angelegt ist funktioniert schnell und unkompliziert, ein verklicken ist dank großer Auswahlbereiche nahezu ausgeschlossen.
United we stand, divided we fall
Der Mehrspielermodus zeigt sich Umfangreich: Zum einen gibt es den Zweispieler Coop Modus für die Kampagne in dem ihr gemeinsam mit einem Freund die Allianz vertrimmen dürft. Zum anderen ist natürlich auch der klassische Multiplayermodus vertreten, mit bis zu sechs Spielern (im 3 vs. 3) kämpft ihr auf insgesamt 14 Karten um den Sieg. Die Karten reichen von kleinen, kompakten Duellkarten für zwei Spieler bis hin zu weitläufigen Arealen mit vielen zusätzlichen Baumöglichkeiten für 6 Spieler.
Die Karten sind zumeist symetrisch angelegt und sehr ausgeglichen. Im Mehrspielermodus könnt ihr auch die Kontrolle über die Allianz übernehmen und Brutes und Eliten zum Sieg verhelfen. Hier bekommt auch die Wahl des Anführers eine entscheidende Bedeutung: Je nach gewähltem Führer (drei Menschliche und drei der Allianz) stehen euch unterschiedliche Spezialeinheiten und Führeraktionen zur Verfügung. Um die Karten und die einzelnen Anführer kennen zu lernen beinhaltet Halo Wars einen Skirmish Modus in dem ihr gegen und mit der KI die einzelnen Karten spielen könnt.
Strategische Hausmannskost
Die KI macht ihre Sache sowohl im Skirmish als auch in der Kampagne gut. Ist der leichteste Schwierigkeitsgrad auch für Einsteiger kein Problem zieht der Schwierigkeitsgrad auf der mittleren Einstellung merklich an: Die KI beschäftigt euch mit Angriffen sucht eure Schwachpunkte und agiert schon wirklich gut. Im heldenhaften und legendären Schwierigkeitsgrad hat die KI teils massive Startboni und geht sehr schnell und gezielt vor. Diese Stufen stellen auch für geübte Strategen eine echte Herausforderung dar.
Die Strategie kommt in Halo Wars allerdings etwas zu kurz. Es gibt einfach zu wenige unterschiedliche Möglichkeiten und Upgrades für die Einheiten. Zudem sind im Moment die Warthogs wenn sie mit Gaußkanonen ausgerüstet sind etwas zu mächtig. Dadurch das sie sehr billig und schnell in der Produktion sind und zudem nur einen Einheitenpunkt verbrauchen ist ein Schwarm dieser eigentlich als Späher gedachten Fahrzeuge auch für wesentlich kostspieliger zusammengestellte Armeen ein fast nicht zu bezwingender Gegner.
Technische Finessen
In Sachen Technik kann Halo Wars durchaus überzeugen, die Einheiten sind mit viel Liebe zum Detail modelliert und auch die Karten bieten einige tolle Punkte mit verfallenen Blutsväterrelikten oder malerischer Natur. Kommt es zur Schlacht lässt Ensemble die 360 zeigen was sie kann – Farbige Laser zucken über das Schlachtfeld, Explosionen lassen Felsen einstürzen, bei der Allianz tritt nach einigen Treffern farbig dampfendes Plasma aus Gebäuden und Fahrzeugen und zerstörte Einheiten und Gebäude zerfallen in viele kleine Trümmer.
Auch der Sound ist während der Schlachten bombastisch mit dem richtigen Equipment spürt man die Einschläge von Granaten auch noch im heimischen Wohnzimmer. Abgerundet wird dies durch die aus den Shootern bekannten Soundeffekte wenn ein Wraith schießt oder bei einem Spartaner die Schilde ausfallen. Das absolute Highlight an Halo Wars sind aber die gerenderten Zwischensequenzen: Die grafische Qualität ist grandios, zumal das Halo Universum hier wesentlich „schmutziger“ wirkt als in den Shootern. Zudem sind die Szenen sehr gut arrangiert und geschnitten – Erinnerungen an die Kurzfilme zum Marketing von Halo 3 werden hier unweigerlich wach. Das gilt im übrigen auch für die Musik: Es sind zwar größtenteils neue Kompositionen in Halo Wars enthalten, es klingt aber unverkennbar nach Halo. Die Deutsche Synchro kann da leider nicht ganz mithalten, die Intonation und Motivation klingt teilweise einfach etwas zu gequält. Leider ist auch nur die Deutsche Tonspur auf der DVD, hoffen wir auf einen nachträglichen Release der englischen Synchro auf dem Marktplatz ähnlich wie bei Fable 2.
Ebenfalls zur Technik gehört natürlich der Netzwerkcode und der ist Ensemble erneut sehr gut gelungen – Von Lags oder Verbindungsabbrüchen keine Spur, so soll das sein. Insgesamt ist Halo Wars erfreulich Bugfrei, den einen oder anderen Bug haben wir zwar erlebt, dieser ließ sich aber nicht reproduzieren.
Schnelles Ende
Der Umfang von Halo Wars lässt einige Wünsche offen: Die Kampagne hat man je nach Schwierigkeitsgrad in 7-10 Stunden durchgespielt, im Coop geht es sogar noch etwas schneller. Obwohl die Kampagne 15 Missionen umfasst und diese auch sehr abwechslungsreich gestaltet sind bleibt am Ende ein etwas ungutes „Das wars schon?“ Gefühl übrig. Da allerdings schon klar gesagt wurde, dass es DLC zum Spiel geben wird hoffen wir einfach mal auf einen Epilog zur Kampagne.
Zudem kann man noch auf jeder der 15 Storykarten nach den versteckten Schädeln und Blackboxen suchen erster enthalten Bonis oder Malis die vor dem Spiel aktiviert werden können, letztere Schalten zusätzliche Einträge in der „Halo Zeitleiste“ frei die im Menü zu finden ist, hier sind die Ereignisse im Halo Universum chronologisch aufgelistet und wer alle 15 Boxen findet bekommt einen kompletten Überblick über die bisherige Geschichte. Im Mehrspielermodus stimmt der Umfang schon eher: Die 14 Karten sind abwechslungsreich gestaltet und werden Onlinespieler sicherlich längere Zeit bei Laune halten, auch hier wird es mit Sicherheit Nachschub in Form von DLC geben.
Fazit:
Halo Wars ist Hollywood Popkornkino in Reinkultur. Das ganze Spiel wirkt auf Hochglanz poliert und ist auf schnelle, spektakuläre und actionreiche Gefechte ausgelegt. Taktik und Strategie bleiben dabei teilweise auf der Stecke. Trotzdem ist Halo Wars ein sehr gelungenes Spiel und ein toller Abschied für die Ensemble Studios. Die Präsentation in ihrer Gesamtheit ist das mit Abstand beste was es in diesem Genre auf der Xbox 360 gibt und das Design der einzelnen Missionen ist motivierend und spannend. Leider ist der Spaß sehr schnell zu Ende – Niemand erwartet ein 100 Stunden plus X Epos a la Empire: Total War, etwas mehr als die acht Stunden Kampagne hätte es aber doch sein dürfen. Dann bleibt aber immer noch der Multiplayermodus der durchaus Spaß macht. Die Revolution ist Ensemble mit Halo Wars zwar nicht gelungen aber es ist doch ein großer Schritt in die richtige Richtung.
Die Wertung
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