Bully

Genre: Action Adventure Publisher: Rockstar Games
Termin: 7. März 2008 Entwickler: Rockstar New England

In der heutigen Zeit muss immer alles Ultra aktuell sein. Eine Nachricht von gestern ist heute „alt!!!1elf“. Wir leben in einer immer schnelllebigeren Zeit.
Und genau mit diesem Denken breche ich, indem ich hier einfach mal einen kleinen Text zu einem Spiel schreibe, dass 2006 (bzw. 2008) auf den Markt kam. Ein Review also nach fünf Jahren. „Aaaaaalt!!!!1!!!elf“.

Heute bei Jauch: Amoksimulation Bully – Machen Videospiele Kinder zu Mobbern?

Wenn ich Bully beschreiben müsste, würde ich wohl ganz klar die Worte „GTA in der Schule“ wählen. „Waaaaas?!“ werden Christenverbände, Lehrerverband und Herr Prof. Dr. Pfeiffer ausrufen „Amokläufe in der Schule?! Sex, Gewalt, Drogen?!“.
Doch natürlich ist hier von keinem der Dinge die Rede (na gut, höchstens Gewalt), gemeint ist lediglich die Spielmechanik. Doch fangen wir vorne an.
2006 veröffentlichte Rockstar Games Canis Canem Edit für die Playstation 2. 2008 folgten dann Versionen für Xbox 360, Wii und PC unter dem Namen Bully: Die Ehrenrunde. 100 Punkte für den bescheuerten Untertitel.
In Bully geht es um den 15-jährigen Jimmy Hopkins, ein – GTA typisch – Looser. Gewalttätig, nicht dumm, aber sozial zurückgeblieben. Probleme werden meistens mit einer Faust in die Fresse gelöst. Jimmy ist bereits sechs Mal von der Schule geflogen, seine Mutter das vierte Mal verheiratet. Nun schiebt sie ihren Sohn auf die Bullworth Academy ab. Seine letzte Chance die High-School zu beenden.
Bullworth macht seinem Namen alle Ehre. Klischeevolle Cliquen sind im unerbittlichem Kampf um die Vorherrschaft der Schule. Rockstar inszeniert hier wunderbar diese einzelnen Gruppen: Nerds, Greaser (50er-Jahre Halbstarke), Jocks (die Football-spielenden Supersportler) und Preps (Möchtegern reiche Kinder). Herrlich überzogen und vollkommen übertrieben. Doch genau dies lässt sich über den ganzen Humor von Bully sagen. Voller Sozialkritik und Kritik am Schulsystem. Jeder Charakter der hier auftaucht hat seine eigene Macke. Die Lehrer sind Alkoholiker, korrupt oder vollkommen desinteressiert die gelangweilten Schülern überhaupt richtig auf ihre Zukunft vorzubereiten.

Der Aufstieg und Fall des jungen Jimmy Hopkins.

Die Geschichte beschreibt mit relativ typischer Dramaturgie den Aufstieg Jimmys vom Prügelknaben zum Herrscher der Schule und anschließenden Fall zum von allen gehassten Idioten. Natürlich nur so lange, bis er den bösen Gegenspieler besiegt und die Ordnung an der Schule wieder herstellt.
Die einzelnen Stationen dorthin sind mit vielfältigen Missionen vollgestopft. Da muss die Nerd-Basis mit Kartoffelkanonen verteidigt werden. Die Köchin der Schule muss bei ihrem „Date“ mit einer Zwille aus einem Baum heraus vor lästigen Kindern beschützt werden. Oder es wird still und leise durch eine Nervenheilanstalt geschlichen. Die Varianz der Missionen ist ebenso groß, wie die Vielzahl der Charaktere in Bully. GTA typisch tauchen Sterne auf der Karte auf und so kann man sich relativ unlinear von Mission zu Mission hangeln.
Natürlich beschränkt sich die Handlung nicht nur auf die Schule. Die begehbare Karte umfasst auch eine relativ große, abwechslungsreich gestaltete Stadt. Ein Reichenviertel mit großen Villen, ein großer Jahrmarkt, Innenstadt mit Geschäften und heruntergekomme Stadtteile wo Penner die Straßen vollkotzen, sowie ein dreckiges Industriegebiet mit Trailerpark. Rockstar hat es mal wieder wunderbar geschafft, eine typische amerikanische Stadt mit allen sozialen Schichten zu schaffen.
Um dieses offene und recht große Gebiet erkunden zu können stehen Jimmy einige Fortbewegungsmittel zur Verfügung. Immer dabei hat er sein Skateboard, aber auch Fahrräder können in guter alter GTA Manier geklaut werden. Autos können nicht gefahren werden, Rockstar hat aber dran gedacht, dass man sich mit dem Skateboard an Autos dranhängen kann und so bequem durch die Stadt rollt. Sehr cool. Das Fahrrad fahren macht sogar richtig Spass und Nebenmissionen wie das Zeitungaustragen sind ein lustiger Zeitvertreib (inklusive bissigen Hunden).

So viel zu tun, wie kann ich da noch Zeit für Schule haben?

Natürlich ist man nicht zum Spass auf Bullworth. Auch Kurse wollen bestanden werden, damit Jimmy vielleicht eine etwas rosigere Zukunft hat. Ein Tag ist grob eingeteilt mit zwei Kursen am Tag. Um neun Uhr beginnt der Vormittags- und um ein Uhr Mittags der Nachmittagsunterricht. Wenn Jimmy in dieser Zeit nicht zum Unterricht erscheint, schwänzt er. Dann sollte man den Präfekten der Schule und der Polizei in der Stadt aus dem Weg gehen. Wenn Jimmy erwischt wird, wird man in den Unterricht gebracht. Hört sich vielleicht nach großem Zeitstress an, ist es aber nicht. Die Klassen sind lustige, nett gemachte Minispiele und mit jeder abgeschlossenen Stufe erhält man sehr nützliche Verbesserungen. Außerdem sind die Gesetzeshüter recht leicht abzuhängen. Gewalt und Vandalismus lassen das „Fahndungslevel“ steigen, weglaufen ist dann angebracht.
Vor, zwischen und nach dem Unterricht ist dann Zeit sich um Missionen zu kümmern oder eine der unzähligen Nebenaufgaben zu bewältigen. Es gibt so viele Beschäftigungsmöglichkeiten, dass man alleine damit ganze eigenständige Spiele füllen könnte.
Doch unbegrenzt ist die Zeit in Bully nicht. Jimmy kann nur bis zwei Uhr nachts draußen rumlaufen, danach wird er zu müde und schläft automatisch bis acht Uhr morgens. Wenn er mitten in der Stadt auf der Straße einschläft wacht er am Morgen in Unterwäsche auf, man hat ihm also seine Klamotten geklaut. Sehr lustiges Detail. Es muss also darauf geachtet werden, rechtzeitig auf sein Zimmer zu gehen oder in einem der freischaltbaren Schlupfwinkel zu nächtigen.
Besonders gut gefallen hat mir die schiere Masse an Veränderungsmöglichkeiten. So gibt es sehr viele verschiedene Frisuren und Klamotten. Das geht vom Ninja Kostüm über ein Gartenzwerg Outfit bis zum Elvis Dress mit erreichen der 100 % des Spiels.

Zusammenfassung

  • tolle Charaktere
  • viel Witz
  • große Welt
  • viele Interaktionsmöglichkeiten mit der Umwelt
  • manchmal unfaire Missionen
  • selten störrische Kamera
  • öfters Zeitlimits
  • lange Wege innerhalb der Missionen

Fazit

Bully steht einem erwachsenem GTA in nichts nach. Es ist nicht umbedingt ein Kinderspiel. Viele der Vorgänge in Bullworth sind moralisch mehr als verwerflich und sollten nicht als Vorbild dienen. Doch für erwachsene Zocker offenbart sich hier ein wunderbar schwarzhumoriges Ersatz-GTA, das mal ohne Morde und extreme Gewalt auskommt. Grafisch ist es natürlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit, gerade den Charaktermodellen fehlt es an Details. Aber vom Gesamtbild passt die Comic-hafte Grafik zum kompletten Stil. Schade, dass es nie einen Nachfolger gab. Für die 9,99 Euro, die ich bei einer Aktion auf dem Xbox Marktplatz bezahlt habe kann ich echt nicht meckern. 20 Stunden habe ich insgesamt aus Bully rausgequetscht und wo bekommt man heute noch so viel Unterhaltung für nen Zehner.

10. Februar 2013 | Autor: McLustig

Kommentare

  1. Ich besitze Bully seit Jahren, habe es aber nicht durchgespielt – das wird nun nachgeholt…

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