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Inside Review – Kane & Lynch 2: Dog Days

Sam Fisher war schon hier, man konnte im Sportwagen durch die Häuserschluchten brettern und vor den Augen von Rios und Elliot wurde sie in Schutt und Asche gelegt. Die Rede ist von Shanghai, eine der aufregendsten Metropolen Asiens. In die Welt des aufstrebenden Chinas mit all der Neonwerbung und dem Sumpf des Verbrechens aus Triaden und korrupten Beamten verschlägt es auch die gefallenen Kriminellen Kane und Lynch. Man ahnt es schon, diesmal wird nicht um die Welt gejettet und die Kämpfe im Dschungel gehören definitiv der Vergangenheit an. Was bleibt ist kompromisslose und zuweilen gnadenlose Action. Ob sich also die Reise ins Reich der Mitte lohnt erfahrt ihr im Inside-Review.

Mehr Kontrast als ein schlechtes Kamerabild – Anspruch und Wirklichkeit

James Seth Lynch hat sich in Folge der Ereignisse des ersten Teils nach Shanghai abgesetzt und arbeitet hier als Handlanger für den Unterweltboss Glazer. Um für ihn Waffen nach Afrika zu schmuggeln begibt sich auch der Ex-Söldner Kane in die pulsierende Stadt, damit er sich danach endgültig zur Ruhe zu setzen kann. Bevor es nach dem ersten Wiedersehen ins Hotel geht muss Lynch aber noch kurz eine Kleinigkeit erledigen. Eine pixelige Verfolgungsjagd und ein totes Mädchen später ist es auch vorbei mit einem entspannten Job, denn egal was beide jetzt tun, es kann und wird nur noch schlimmer werden. Nun gibt es nur noch eine Devise: Raus aus Shanghai – irgendwie.

Wer Entwickler IO Interactive kennt weiß, dass sich deren Hauptwerk um brutale und gnadenlose Killer dreht, die aber interessant genug bleiben, dass man sich dennoch nicht von ihnen abwenden kann. In diese Schablone passt auch das hiesige Duo, für die das Wort „abgefuckt“ noch zu harmlos ist. Nur war das dann auch schon alles, was die Protagonisten hergeben. Die Psychose, die Lynch noch im ersten Teil interessant gemacht hat scheint mehr oder weniger geheilt. Nur selten bekommt man mit, wie sehr er eigentlich über dem Abgrund hängt. Bei Kane sieht es nicht anders aus. Emotionen führen im besten Fall zu einem Schmunzeln, wenn Lynch z.B. vor lauter Erregung nur brummen und bellen kann (Daher wohl auch der Untertitel Dog Days). Das Spiel nimmt sich einfach keine Zeit, den Charakteren Tiefe einzuhauchen. Ich will gar nicht wissen wie fremd einem die Beiden bleiben, wenn man den ersten Teil gar nicht erst gespielt hat. Damit sind die Charaktere per se nicht schlecht, immerhin hängt die Messlatte bei Spielen diesbezüglich nicht weit oben – allerdings damit auch nur Durchschnitt und werden damit dem Anspruch nicht gerecht.

Folglich fällt auch die Handlung eher dürftig aus. Man wird eben pausenlos durch ganz Shanghai getrieben. Die wirkliche Initiative ergreifen die Beiden nicht. In Dead Man war es ein großer Moment der Genugtuung, als man sich vom Hochhaus abseilte mit dem Gefühl, wenn ihr mich fallen lässt nehme ich euch mit. Da hilft es auch nicht, wenn die Geschichte eher aus Versatzstücken besteht und zu sehr konstruiert wirkt, insbesondere weil die Protagonisten wenig selbst agieren: Da muss schon der Zufall nachhelfen, damit man einer wichtigen Person über den Weg läuft. Und wie man es aus einem zerschossenen Hochhaus wieder raus schafft bleibt dem Spieler verschwiegen (Gut, das wäre auch aus Dead Man übernommen, aber es war mit die besten Mission des Spiels). Schnitt, nächster Level bitte. Gleiches gilt für das Ende – Wenn da mal kein DLC kommt. Das Ganze soll aber nicht heißen, dass das Spiel nicht seine Momente hat. Geradezu grotesk und komisch ist es, wenn es nur mit einem Zensierbalken um die Lenden durch die Geschäftsstraßen geht – Die neuen Klamotten danach sind dann auch umso besser. Allerdings bleibt, dass man eigentlich keine Rücksicht auf die Handlung nehmen muss. Man erwartet Michael Mann und bekommt halt Michael Bay. Vom letzten Level mal abgesehen, das mit zu den besten des Spiels gehört. Ob jetzt die Handlung eines Gears of War besser ist sei mal dahingestellt.

Wer Gewalt sät

Pausenlos ist neben der Handlung auch das Gameplay. Im Grunde hetzt man von einer Schießerei zur Nächsten. Um sich gegen Gangster, Polizei und Armee zur Wehr zu setzten stehen einem das übliche Arsenal an Pistolen, Schrotflinten und Maschinengewehre aus größtenteils sowjetischen Beständen zur Verfügung. Die Waffen sind aber eigentlich redundant, es ist egal welches der Gewehre man gerade in der Hand bzw. seinem zweiten Waffenslots hat. Das mag vielleicht realistisch sein, aber spielerisch zeigen es andere Spiele, wie es besser geht. Zudem streuen die Waffen, bis auf 2 Ausnahmen, sehr stark. Das kann einem auf Mittel egal sein, aber auf Schwer bin ich an einigen Stellen sehr oft Hops gegangen. Von daher tendiere ich dazu zu sagen, dass man auf Mittel spielen sollte, weil sich dann der beste Spielfluss einstellt und die Gegner nicht so absurd viele Kugeln einstecken – Allerdings verknappt sich dann die Spielzeit auf rund 4 Stunden. Sonst macht das Spiel mit seinem heutzutage üblichen Deckungssystem handwerklich wenig falsch, sticht aber auch nicht gerade heraus.

Was auffällt ist aber, dass sich die Gefechte vergleichsweise passiv spielen. Ein Grund dafür dürfte die Abwesenheit von Granaten sein. Zwar kann Lynch Benzinkanister und ähnliches werfen und mit einem Schuss zur Explosion bringen, die Gegner können das aber nicht. Folglich wird man eigentlich selten aus der Deckung getrieben, solange man sich nicht hinter einer splitternden Holzkiste versteckt. Wenn das mal der Fall ist, dann weil die Gegner einen mehr oder weniger geschickt flankieren. Weniger geschickt wenn sie mal wieder nur stumpf auf einen zu rennen. Ansonsten stellen sich die Gegner aber recht brauchbar an, geben zum Beispiel ihren Kameraden Feuerschutz während diese vorrücken. Die Zivilisten stellen sich da schon ungeschickter an. Zwar rennen die los, wenn plötzlich die Hölle ausbricht, aber rennen dann auch immer weiter statt sich auf den Boden zu werfen. Anders als in der deutschen Fassung klemmt Lynch der Abzugsfinger in der internationalen Version in diesem Fall dann nicht. Sollten sie doch mal zu viele Schuss eingesteckt haben ist es mit Kane und Lynch aber noch nicht vorbei. Stattdessen liegen sie dann auf dem Boden und können sich noch wehren oder mit letzter Kraft in sichere Deckung schleifen. Schön: Gleiches gilt auch für die Gegner. Passend zur dreckigen Handlung wird in den Gefechten auch jede Menge geflucht oder Feedback gegeben, wenn nachgeladen wird. Wenn Lynch ruft „You think you can kill me?“ bringt das ungemein viel Atmosphäre. Mehr noch wenn auch die Gegner sich verständigen würden, die bleiben aber lieber stumm. Wenn das mal kein Vorurteil ist.

Ein Lichtblick am Ende des Tunnels

Was den Titel aber nach all den eher mauen Beschreibungen wirklich herausragend macht ist der Grafikstil. Als „Youtube-Look“ angepriesen kann man zwar einwenden, dass es Wackelkamera und Bildfehler schon vorher gab, aber sei es darum. Der Look schafft die Atmosphäre einer Livecamera und kaschiert ganz nebenbei die etwas schwachen Texturen. Aber da man sowieso nur gehetzt wird fallen eher die schön designten Level auf. Die sind mit ihren Wohnungen, Straßenzügen und Industrieanlagen nicht sonderlich originell, aber so ist das nun mal mit der Wirklichkeit. Dafür stimmt die Abwechslung und Shanghai bekommt im Schein der Neonwerbung ein tolles exotisches Flair. Und auch wenn das Spiel selbst linear ist, gibt es doch immer wieder Möglichkeiten die Gegner zu flankieren und von erhöhten Positionen anzugreifen. Dass bei den Schusswechseln auch einiges zu Bruch geht trägt sein übriges bei.  Auch der Ton ist herausragend. Die Schüsse donnern nicht wie in einem Hollywoodfilm sondern hallen hohl durch die Straßen, in engen Tunneln kommt ein Echo von allen Seiten. Auch eher ungewöhnlich ist das Fehlen eines Soundtracks. Wenn es mal was auf die Ohren gibt, dann weil der Nachbar in Xius Wohnung die Musik zu laut aufgedreht hat. Das trägt natürlich zur realistischen Atmosphäre bei, lässt aber an anderer Stelle Dramatik vermissen.

SchmuSheep’s Fazit

Ist Kane & Lynch2 nun also ein gutes oder ein schlechtes Spiel? Ich habe ein wenig gehadert. Nach dem ersten Durchspielen auf Schwer war klar, dass es größtenteils mittelmäßig ist. Als ich es dann darauf auf Mittel gespielt habe stellte sich auf einmal ein Spielfluss ein und es hat richtig Spaß gemacht. Aber wenn man ehrlich bleibt, dann ist es der Grafikstil, an den man sich, wenn überhaupt, in ein paar Jahren erinnern wird. Handlung und Gameplay sind nicht der Rede wert – wobei auch an keiner Stelle so schlecht, dass es ein Grund wäre aufzuhören (Da denke ich mit grauen an den Dschungel aus Dead Man). Es ist einer dieser Titel, in denen eigentlich noch ungeheuer viel Potential steckt. Nur bleibt es, wie es ist – Von einem Heat trennen Kane & Lynch noch Welten. Grenzwertig ist nur die kurze Spielzeit. Die macht das Spiel nicht schlechter, aber es werden sich nicht viele finden, die dafür Vollpreis bezahlen. Also: Spiel vormerken und wenn es an einem zum guten Preis vorbei läuft zugreifen! Wer nur ein bisschen mit Shootern anfangen kann, für den wird sich die Reise nach Shanghai lohnen.

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AssKikaX’s Fazit

Kane & Lynch: Dead Men zählt zu meinen persönlichen Geheimtipp-Perlen. Umso mehr habe ich mich auf den Nachfolger gefreut, denn das ungleiche Duo hat bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Die Charaktere schienen aus einem Tarantino-Streifen entsprungen. Leider wurde ich mit Kane & Lynch: Dog Days wieder einmal eines besseren belehrt: Fortsetzungen sind nicht immer besser! Die Protagonisten sind diesmal komplett austauschbar und gab es im Vorgänger noch sehr abwechlungsreiche Missionen (Gefängnisausbruch, Banküberfall, Hochaus-Attentat), mangelt es hier an Abwechlung. Die Umgebungen sind detailiert und stimmungsvoll gestaltet, allerdings läuft man im Grund nur durch die Schlauchlevels, geht in Deckung, knallt ein Paar Gangster um und dann fängt alles wieder von vorne an. Dennoch hat mich das Spiel für seine extrem Kurze Spielzeit von 3,5 bis 4 Stunden gut unterhalten (besonders der Nackedei-Abschnitt 😉 ).

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Anmerkung: Alle Bilder dieser Seite stammen von der PC-Version. Im Unterschied zur Xbox-Version hat diese kein künstliches Bildrauschen mehr.



27. August 2010 | Autor: schmusheep

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